Madonna von Hofheim Madonna von Hofheim Madonna von Hofheim

Sehenswertes

Madonna von Hofheim
In der Kirche St. Johannes Baptist steht die Rosenkranzmadonna des Weilheimer Bildhauers Hanns Degler. Er gehört zu den herausragenden Künstlern seiner Zeit im süddeutschen Raum. Berühmt sind seine Arbeiten für die Altäre der Stadtpfarrkirche St. Ulrich und Afra in Augsburg, die als bedeutende Beispiele der Spätrenaissance gelten.
Degler betrieb in Weilheim eine Holzschnitzerwerkstatt mit zahlreichen Mitarbeitern, die nach damaligen Maßstäben sehr groß gewesen sein muss. Nur so ist erklärbar, wie er die 270 Figuren für die Augsburger Basilika in nur vier Jahren herstellen konnte. Nach der jüngsten Restaurierung der Altäre weiß man auch, dass Degler nicht alle Figuren selbst gefertigt hat. Dies ist bei der Madonna von Hofheim anders. Degler stiftete sie der Rosenkranzbruderschaft in Polling und dürfte sie deshalb weitgehend selbst geschnitzt haben. Die Madonna hing in einem Rosenkranz über dem Altar der Pfarrkirche von Polling, nicht wie lange geglaubt in der Kirche des Klosters. Als Vorbild diente wahrscheinlich die berühmte Rosenkranzmadonna von Tilman Riemenschneider in Volkach, die Degler mit einem neuen Typus der Madonna, einer sogenannten Mondsichel-Madonna verband. Berühmtes Vorbild ist hier die Muttergottes-Statue auf der Münchener Mariensäule, die Hubert Gerhard 1593 ursprünglich für das Grabmal Wilhelm V. schuf. Deglers Onkel Hans Krumpper entwarf 1615 eine sehr ähnliche Figur, die Bronzestatue der Patrona Bavariae für die Westseite der Münchener Residenz.

Die Deglersche Madonna von Hofheim ist eine über 2 Meter große Figur und zeigt die Mutter Gottes auf einer Mondsichel stehend. In der linken Hand hält sie ein Zepter, in der Rechten das Jesuskind, das einen Reichsapfel hält. Die beiden Putten zu Füssen der Madonna sind nicht original. Die Fassung der Madonna (Farbe) ist nach ersten Untersuchungen weitgehend original, auch die Farbigkeit dürfte in etwa dem Entwurf Deglers entsprechen. Bis heute ist nicht ganz geklärt, wie die Madonna nach Hofheim kam. Offiziell gilt die Madonna als verschollen. Jüngste Untersuchungsergebnisse belegen jedoch, dass es sich um die Rosenkranz-Madonna aus Polling handeln muss. Nach dem Abriss der Stadtkirche von Polling begann für die Madonna eine Reise wohl durch mehrere Kapellen im Umland Weilheims. Schließlich kaufte sie der Hofheimer Johann Singer im 19. Jahrhundert für 80 Gulden und stiftete sie der Ortskirche St. Johann Baptist.

Die Kirche von Hofheim ist außerhalb von Gottesdiensten verschlossen, kann aber auf Wunsch besichtigt werden. Neben der Türe befindet sich ein entsprechender Hinweis. Interessierte können telefonisch unter 08847/6186 (Mesnerin) einen Besuchstermin vereinbaren.
Blick über den Riegsee zum Wetterstein-Massiv