Geschichte

Die Region rund um die oberbayerische Seenplatte war bereits in der Bronzezeit besiedelt. Darauf weisen die vielen Gräberfunde aus der Hallstatt- und Latène-Zeit hin. Auch auf Spatzenhausener Flur wurden entsprechende Gräber entdeckt und archäologisch untersucht. Einige der Funde liegen heute in Museen in München und Ingolstadt.

Während des römischen Reiches gehörte Murnau und Umgebung zu Rätien. Mit der im 2. Jahrhundert nach Chr. errichteten "Via Raetia", die Norditalien mit der Hauptstadt Raetiens "Augusta Vindelicorum" (Augsburg) verband, lagen auch Spatzenhausen und Murnau an diesem bis heute wichtigsten Verkehrsweg über die Alpen. Bis heute folgt die B2 zwischen Weilheim und Scharnitz weitgehend dem Verlauf der alten Römerstraße.

Mit dem Untergang des römischen Reiches fehlen auch zuverlässige Berichte über die Zeit zwischen dem 5. und 7. Jahrhundert n. Chr. Historiker gehen davon aus, dass zum einen Volksstämme aus Böhmen (Boier)und Ungarn (Skirer), aber auch Allemannen und Merowinger im oberbayerischen Voralpenland sesshaft wurden bzw. weitgehend friedlich nebeneinander lebten. Aus diesem Völkergemisch entstanden schließlich die Bajuwaren, wobei dabei in erster Linie jene Stämme verstanden wurden, die unter der "Lex Baiuwariorum", dem bayerischen Stammesrecht lebten. Während dieser Zeit wurden die Bayern christianisiert. Zu diesem Zweck gründeten die adeligen Herrscherfamilien zahlreiche der auch heute noch bestehenden Klöster der Region.

Einer dieser Klostergründungen, dem Kloster Scharnitz, verdankt Hofheim seine erste urkundliche Erwähnung. Denn das Dorf (villa) "hofahai" wurde dem 763 gegründeten Kloster von Reginpert, einem Mitglied der Familie der Huosi gestiftet. Die Schenkungsurkunde selbst existiert nicht mehr, aber eine Abschrift findet sich im sogenanten Cozroh-Codex, einer der ältesten bayerischen Handschriften überhaupt. Damit ist Hofheim urkundlich der älteste der drei Orte der Gemeinde.

Die Namen "Spatzenhausen" und "Waltersberg" deuten jedoch auf eine spätere Gründung hin. Die beiden Orte wurden im 12. Und 14. Jahrhundert erstmals erwähnt. Bei Waltersberg handelt es sich wohl um den ehemaligen Sitz eines Landadeligen mit dem Namen Waltram.

Die Gemeinde Spatzenhausen entstand 1808 im Zuge der "napoleonischen" Reformen in Bayern unter Graf Maximilian von Montgelas. Unter anderem ordnete er die Gründung der Kommunen als politische Organe an, in deren Folge die Orte Hofheim, Spatzenhausen und Waltersberg zur Gemeinde Spatzenhausen zusammengeschlossen wurde. Da Bayern als Bündnispartner Napoleons gerade Tirol besetzt hatte, griffen Montgelas Reformen auch in Tirol und führten dort zum Tiroler Volksaufstand unter Andreas Hofer. Auch viele bayerische Orte konnten sich mit dieser "ersten Gebietsreform" nie richtig anfreunden. Ironischerweise fand der Tiroler Bauernaufstand unter anderem auch in Spatzenhausen sein Ende. Plündernde Tiroler hatten unter anderem Murnau und auch Spatzenhausen immer wieder heimgesucht. Am 18. Juli 1809 stellten bayerische Truppen unter Graf Arco die Tiroler und schlugen sie bei Spatzenhausen empfindlich. Nach der Niederlage zogen sich die Tiroler endgültig aus der Umgebung Murnaus und Weilheims zurück.

Die jüngere Dorfgeschichte Spatzenhausens wurde in einer umfassenden Dorfchronik von Ingomar Igler festgehalten. In der Chronik findet sich eine detaillierte Schilderungen der Dorfentwicklung seit dem 19. Jahrhundert. Neben Beschreibungen der Landwirtschaft und ihrer Industrialisierung gibt die reich illustrierte Chronik auch Auskunft über die gebräuchlichen Hofnamen und die Entwicklung Spatzenhausens bis heute. Dabei setzt sie die Gemeindegeschichte immer wieder in Beziehung zur Geschichte Bayerns.

Die Dorfchronik kann im Rathaus Spatzenhausen eingesehen und käuflich erworben werden.
Blick über Spatzenhausen und Waltersberg zum Wetterstein-Massiv